Autor: Marco Petig |
Sonntag, den 15. Januar 2012 um 16:37 Uhr Brandenburger Theater"Punk Rock" zum Frühstück"Freunde des Brandenburger Theaters" haben zum ersten Theaterfrühstück in diesem Jahr geladen - das Interesse der Brandenburger war sehr groß
„Punk Rock" von Simon Stephens ist das neue Stück des Brandenburger Jugendtheaters und seiner Regisseurin Christiane Ziehl (Havelstadt.de berichtete). Ohne zu ahnen, dass dieses Stück eine ganz rücksichtslose Aktualität bekommt, nahm im Frühjahr 2011 die Regisseurin des Jugendtheaters sich das Stück an sich. Die Bilder aus Norwegen (Oslo) sind nun sehr präsent in unseren Köpfen, und die Frage nach dem "Warum" ist so aktuell wie nie zu vor. Eine Antwort darauf kann und will das Theaterstück des britischen Erfolgautors Simon Stephens und auch die Aufführung, nicht geben, wie die Regisseurin Christiane Ziehl beim heutigen Theaterfrühstück nochmals verwies.
In der Aufführung (Premiere am 04. Februar auf der Studiobühne) wird das düstere Bild einer Generation gezeigt, die hin und her gerissen ist zwischen Leistungsdruck, Hormonen und Langeweile: Im Mittelpunkt steht eine Schulclique aus der englischen Mittelschicht. Sie besteht aus wohlhabenden Jugendlichen, die eigentlich keine existenziellen Probleme haben, aber trotzdem unfähig sind, miteinander zu kommunizieren und sich gegenseitig das Leben erschweren. Der Autor und Dramatiker Simon Stephens bringt in seinem Stück "Punk Rock" die Gefühlslage von Jugendlichen ohne Schubladendenken auf den Punkt: Er vereint ein explosives Gefühlsgemenge, das hart an der Realität und der Schmerzgrenze schrammt. Wir erinnern uns unter anderem an den Amoklauf an der Albertville-Realschule im Jahr 2009 in Winnenden (Baden-Württemberg). Bei dem Amoklauf starben zehn Schüler und drei Lehrer sowie der Amokläufer selbst. Die Brandenburger Fassung von "Punk Rock" wird von sieben Jugendlichen auf einer sehr vereinfachten Bühne ohne Musik (außer zwischen den einzelnen Szenenbildern) sowie einem einfachen Bühnenlicht umgesetzt. Der Betrachter stellt relativ schnell fest, dass jeder der Charakter seine Probleme hat und auf seiner Weise kaputt ist - mit schon benanntem Leistungsdruck durch die Eltern, einer mangelnden Selbstbewusstheit und dem Druck in der Clique, cool zu sein. Zum Ende des Stückes spitzt es sich zu - bis zu einem "Blutbad", bei dem drei von ihnen sterben werden. Interessant bei dem Stück ist aber nicht der Amoklauf selbst, wie die Regisseurin verwies, sondern wie es dazu kommt, und wer hinter der Tat steckt - es kann jeder der Täter sein.
In einem dreiviertelstündigen Vortrag auf der Studiobühne zum Thema „schwere Gewalt an Schulen" versuchte der Diplom-Kriminologe und Sozialpädagoge, Dr. phil. Frank J. Robertz, die Thematik "Jugendgewalt" aufzuzeigen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf den Bereichen Analyse, Prävention und Intervention von Gewalt an Schulen.
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