Autor: Marco Petig |
Dienstag, den 17. Januar 2012 um 23:13 Uhr Brandenburger Theater"Lebensqualität kann nur über den Mittelstand und die Hochschulen erfolgen""MontagSpezial" begrüßte den Bundesverdienstkreuzträger und Ex-Minister für Wissenschaft & Forschung des Landes Brandenburg, Dr. Henrich Enderlein (FDP)
Der in den letzten Kriegsjahren (1941) in Luckenwalde (Brandenburg) geborene Henrich Enderlein musste mit seiner Familie die Heimat auf einer dramatischen Flucht in einen Zug und unter Feuergefecht, wie Enderlein kurz schilderte, in den Westen von Deutschland verlassen. Im Rheinland folgt, nach ewiger Flucht über Norddeutschland und Dänemark, das Abitur, studierte in Marburg (Baden-Württemberg) Geschichte, Politik und Slawistik und verbrachte Ende der 60er ein Jahr in der damaligen Sowjetunion. Zurück in Deutschland arbeitet er als wissenschaftlicher Assistent am Osteuropa-Institut der Universität Tübingen (Baden-Württemberg).
In seiner Amtszeit werden die Universitäten Potsdam, die Technische Universität Cottbus und die Europa-Universität Frankfurt/Oder gegründet. Als die Potsdamer Ampelkoalition zerbrach, blieb Enderlein mit seiner FDP in einer Minderheitsregierung. Nach dem ganz und gar auf Stolpe zugeschnittenen Wahlkampf 1994 hatte die FDP keine Chance mehr: Mit 2,2 Prozent der Stimmen scheiterte Enderlein, der in der Folge zum Landesvorsitzenden gewählt wurde, an der Fünf-Prozent-Hürde. Auf seinem damaligen SPD-Ministerpräsidenten Manfred Stolpe zeugt noch heute Enderlein seine "Hochachtung", auch wenn er und Stolpe bei einigen Fragen, wie zum Beispiel bei der wirtschaftlichen Gestaltung des Landes Brandenburg in den Fragen Industrie oder beim Mittelstand und Hochschulen in den neunziger Jahren, nie die gleichen Ansichten hatten. Seine Verbundenheit zum Land Brandenburg hat Enderlein "nie ablegen wollen", auch wenn mehre Jahrzehnten im "Westen" ins Land gegangen sind. Seither bringt der Ex-Minister sich in ehrenamtliche Tätigkeiten, wie der Kultur und der Wissenschaft, unter anderem als Vorsitzender des Landesverbandes der Musikschulen in Brandenburg ein - "es wird nie langweilig", wie Enderlein im "MontagSpezial" verdeutlichte. Um finanzielle Einbußen muss oder braucht der Politiker sich nicht sorgen: Er könne "sehr gut" als pensioniertes Mitglied des baden-württembergischen Landtages sowie als Minister des Landes Brandenburg leben, wie Enderlein stolz im "MontagSpezial" betonte. Und bräuchte keine weitere "Nebeneinnahmen".
Kultur spiele beim ihm auch eine Rolle: Enderlein sehe die Kultur als ein Part zur Lebensqualität, die eine Stadt, wie zum Beispiel die Stadt Brandenburg an der Havel, benötige, um seine Bürger - besonders im Alter von 20 bis 40 Jahre - in der Region zu halten. Neben der Kultur als Stütze seien aus der Sicht von dem ehemaligen Wissenschaftsminister, die Hochschulen. Sie würden neben dem Studium, die Wirtschaft in die Region oder Städte ziehen und den Mittelstand fördern. Nur so würde eine Region, ist sich Enderlein sich sicher, die jüngere Genration halten können und das Abwandern, zum Beispiel nach Bayern, verhindern zu können. Dennoch sehe Enderlein die Nähe zu Berlin als Konkurrenz aber auch als Motor für die hiesigen Regionen an, nur es bräuchte Zeit. "Es könne nicht von heute auf morgen eine Wirtschaft entstehen, die Jahrzehnten nieder war". Einen Rat für die Rettung des Theaters konnte Enderlein auch benennen: Man müsse nur dem Steuerzahler einen bestimmten Prozentsatz freistellen selbst zu entscheiden, wohin er investieren möge und dies als "Spende" an das Theater abführen könne und somit jedem das Gefühl geben, sich in die Kultur eingebracht zu haben, ohne das sich der Staat aus der Verantwortung zieht. Nur sei eine finanzielle Quelle für die Kultur gesichert - "mehr Kultur, mehr Lebensqualität" und mehr jünge Menschen wollen in die Region. Das Interesse der Brandenburger zum letzten "MontagSpezial" vom Brandenburger Theater war nicht sehr groß, vielleicht lag es dem Talk-Thema.
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