Autor: Chriss Kühnl
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Montag, den 19. Dezember 2011 um 21:43 Uhr
Leserbrief zur Naziproblematik in Brandenburg an der Havel
Eine Ansicht einem Mitglied im DGB-Vorstand der Stadt Brandenburg an der Havel
Hallo Brandenburg an der Havel,
mit Erstaunen habe ich das schnelle Ende der Debatte über den Fahrer der Verkehrsbetriebe wahrgenommen, der in Zusammenhang mit Nazi-Demonstrationen gebracht wurde. Im Zuge der bundesweiten Morde von Nazis und ihrer Unterstützung durch den Verfassungsschutz hätte ich ein kritisches Hinterfragen der Arbeit für Demokratie und Menschenwürde in der Stadt erwartet. Am Freitag wurde ein weiteres Mal deutlich, dass diese Stadt ein Problem hat und nicht darüber sprechen will. Die Veröffentlichung einer Broschüre des Netzwerkes AFN macht deutlich, dass hier einiges im Argen liegt.
Dies zwingt mich, die Sinnhaftigkeit des Antiextremismusbündnisses zu hinterfragen. Bei keiner Aktion von Nazis hat das Bündnis gehandelt. Sei es die Nazidemo im März, der Infotisch im Mai oder das Auftauchen massenhafter Nazipropaganda, geschweige denn, dass Aufklärungsveranstaltungen angeboten wurden. Workshops von aktiven antifaschistischen Menschen und Gruppen wurden auch nicht von den TrägerInnen des Bündnisses besucht. Im Gegensatz dazu wurde Kritik an der (Nicht-)Arbeit ignoriert und Kritiker ausgeschlossen.
Sehr bedauerlich ist weiterhin, dass gerade die CDU, als Partei der Bürgermeisterin, nie bei den sowieso schon wenigen Treffen des Bündnisses erschienen ist. Dies ist leider nicht das einzige Zeichen politischer Blauäugigkeit, wenn es um die Neonaziproblematik in der Stadt geht: Frau Tiemann feiert in einem Haus des Ludendorf-Vereins, lässt die Verwaltung das Gedenken an das letzte Naziopfer der Stadt - Sven Beuter - "als nicht wichtig" deklarieren oder posiert in einem Krad, welches mit der Reichskriegsflagge geschmückt ist.
Ein seltsamer Zufall, dass dieses Krad einem Fahrer der Verkehrsbetriebe gehört. Herr Jumpertz: Haben Sie noch mehr bräunliche Schafe in ihren Reihen? Hier MUSS es einen ehrlichen und auch breit aufgestellten Neuanfang geben, wenn wir der wachsenden braunen Gefahr Herr bleiben wollen. Ganz konkret möchte ich 2 Angebote für Menschen machen, die sich zu diesem Thema engagieren wollen. Am 1. und 8. Februar, jeweils von 16 bis 19Uhr finden im Haus der Offiziere Workshops zur Auseinandersetzung mit rechten Stammtischparolen statt.
Schließen möchte ich mit dem treffenden Zitat des jüdisch-sozialistischen Philosophen Theodor W. Adorno: "Die Forderung, daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, daß ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen."
Ich verbleibe mit freundlichen und antifaschistischen Grüßen und wünsche Ihnen, wünsche Dir ein angenehmes Jahresende.
Chriss Kühnl
DGB Vorstand Brandenburg an der Havel